Gelungene Viecherei


Vor rund zehn Jahren hat schon einmal ein Metzger als Weinmacher von sich reden gemacht. Johann „Hans“ Schwarz produzierte im burgenländischen Andau nicht nur herzhafte Würste, sondern auch einen „Schwarz Weiß“, einen „Schwarz Rot“ und vor allem einen Rosé-Knaller, für den der Fleischhauer seine Berufsbezeichnung ins Englische übersetzte: „The Butcher“.

Jetzt kommt ein anderer Metzger mit seiner ganz eigenen Viecherei heraus. Uli Metzger heißt zwar nur so, bringt aber dennoch eine tierische Variante ins Spiel. Mögen andere Winzer ihre Weine nach Sternen oder Trauben sortieren, in Gründstadt-Asselheim an der Deutschen Weinstraße zeigt Metzger am Grundriss einer Kuh, wie der jeweilige Wein einzustufen ist: Die Flanke steht für Gutsweine, das Pastorenstück für die mittlere Qualität und das Filet für die Topqualität. Eine Schweinerei ist auch dabei: Auf dem „Pink“ Rosé, den Metzgers Tochter verantwortet, ist eine Sau abgebildet.

Aber Metzgers Weine sind nicht nur Hingucker, sondern auch Reinschmecker: Der Tempranillo (9 Euro) ist tatsächlich ein Filetstück und überzeugt auch Skeptiker, die diese Rebsorte nicht in der Pfalz, sondern im Rioja suchen. Der Spätburgunder (6,90 Euro) ist rund und gehaltvoll, der Sauvignon Blanc (6,20 Euro) ist vegetabil und knackig frisch, und der Weißburgunder (4,70 Euro) gefällt durch Lebendigkeit. Aber als Einstiegswein würde ich den Blanc de Noir empfehlen, der allerdings nicht ganz so blanc, sondern dezent lachsrosa ausfällt. Von den Analysewerten her gerade noch trocken, aber im Mund sehr saftig! Eingestuft ist dieser Wein übrigens als Pastorenstück – Pfarrer wussten immer, was gut ist.

RAINER WAGNER


Mit freundlicher Genehmingung von:
HAZ - Hannoversche Allgemeine, (der 7. Tag) Samstag 13. August 2011