ORTSTERMIN: Neues Produkt wird in Asselheim installiert -
Kosten: Bis zu 14 000 Euro je Hektar - Weniger Laubarbeiten?
ASSELHEIM. Es klackert im Wingert, und langsam bewegt sich ein weißer Sonnenschirm durch die Zeilen des Weinbergs in der Gewanne „Am Hagelkreuz" in Asselheim. Der Schirm schützt drei Männer, die auf einem seltsamen Gefährt durch die Rebzeilen fahren und dort einen Hagelschutz installieren.
Der Weinberg gehört Uli Metzger, der sich entschieden hat, mit der Firma Wagner zusammen einen neuartigen Hagelschutz zu installieren. Mit der seltsamen Maschine wird das Geflecht montiert. Das Klackern kommt von einer Heftmaschine, die mit Metallklammern das Hagelnetz an sechseckigen Stangen befestigt.
Eigentlich kommt im Wingert von Metzger dieser Schutz fast schon zu spät, die Frühburgunder-Reben haben bereits einen erheblichen Hagelschaden erlitten, Metzger zeigt, wo bei den Unwettern der letzten Monate die Hagelkörner nicht nur die Triebe, sondern auch die Reben beschädigt haben. Das soll in der Versuchsanlage zukünftig Geschichte sein.
Im Prinzip ist der Hagelschutz nichts anderes als ein robustes Netz, das beidseitig am obersten Draht einer Wingertszeile befestigt wird. Die sechseckigen Stangen am unteren Ende des Netzes dienen dazu, das Netz zu spannen und bei Arbeiten an den Reben den Schutz nach oben zu drehen. „Das lässt sich laut Herstellerangaben ganz einfach mit einer Kurbel erledigen, ich denke, dass es mit zwei Personen machbar ist", so Metzger. Als Flaschenweinerzeuger ist es für ihn wirtschaftlich sinnvoll, Hagelschutznetze zu spannen, denn eine Hagelversicherung decke zwar die Schäden ab, doch letztlich fehle dem Weinerzeuger das Endprodukt in der Flasche, das die Kunden eigentlich erwerben möchten.
Metzger verspricht sich von den Netzen noch einen Effekt: „Die Laubarbeiten werden weniger werden. Durch die Netze wächst das Laub der Reben nur noch nach oben, das lässt sich recht einfach abschneiden." Und er erwartet, dass der Wespen- und Vogelfraß wesentlich reduziert werden kann.
Klar, dass diese Investition Geld kostet, zwischen 10.000 und 14.000 Euro pro Hektar kostet die Installation der Netze durch das Fachunternehmen. In Metzgers „Versuchswingert" sind es zunächst 2000 Euro, die der Winzermeister investieren muss. Wenn sich das System bewährt, dann sollen in allen Premiumlagen des Weinguts Metzger die Hagelnetze angebracht werden.
Mit sechs Mitarbeitern ist Fritz Klein, Betriebsleiter der Rebschule Wagner aus Friedelsheim und Projektleiter für das Hagelschutznetz, in den Asselheimer Weinberg gekommen. Mit einer Art Minibagger fährt er Zeile für Zeile ab, heftet den schützenden Zaun am oberen Draht an, während ein weiterer Mitarbeiter die Stangen antackert. Ein Mann gibt die Stangen in die Maschine, einer fährt, der Aufwand im Wingert ist erheblich. Dennoch ist der Projektleiter überzeugt von seinem Produkt. „Die Hagelversicherungen werden nicht billiger, die Starkwetterereignisse mehr", sagt Klein im festen Glauben, dass sich Hagelschutznetze in jedem Fall durchsetzen werden.
Auch Winzer Uli Metzger ist von dem schützenden Netz überzeugt, das immerhin so lange halten soll, wie der Weinberg bewirtschaftet wird. Selbst der Einsatz eines Vollernters werde durch das Netz nicht behindert, ist er sich zusammen mit Klein sicher. Die Aktion weckt Interesse, mehrere benachbarte Winzer nehmen die Arbeiten in Augenschein, zwischen Skepsis und großen Erwartungen reicht das Spektrum der Äußerungen zum Hagelschutz. Beobachten werden die Winzer sicher nicht nur den Aufbau, auch die Ergebnisse im Herbst werden von Interesse sein. Und Werbung für das Produkt macht wahrscheinlich das Wetter: beim nächsten Hagelschlag. (jös)
Projektleiter Fritz Klein installiert mit Mitarbeitern den Hagelschutz in einem Asselheimer Weinberg: Oben wird das Netz am Draht befestigt, unten an den Stangen, die bei Bedarf hochgekurbelt werden können. FOTO: SCHIFFERSTEIN
Mit freundlicher Genehmingung von:
DIE RHEINPFALZ - Nr. 161 Unterhaardter Rundschau, Donnerstag 15. Juli 2010
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