Das Beste von der Kuh

DER WEINTIPP:
Weingut Uli Metzger, Asselheim, 2009 Riesling „Filet”. Von Jürgen Mathäß

Seit März 2011 erkennt man die Weine von Uli Metzger an der Kuh auf dem Etikett. Sie heißen nicht mehr Kabinett, Spätlese oder Auslese, sondern Flanke, Pastorenstück oder Filet. Filet sind die besten, Flanke die einfachsten Weine. Die Teile der Kuh sind farblich gekennzeichnet. Ganz einfach. Wer es kapiert hat, vergisst auf absehbare Zeit weder das Etikett noch das System. Was lernen wir daraus?

  1. Viele Winzer sind mit den gesetzlichen Weinbezeichnungen unzufrieden. Deshalb heißen Weine jetzt allen Ernstes „Aufwind”, „Natursprung” oder „**”. Das darf man, auch wenn es albern und für den Kunden völlig unverständlich ist. Dann schon eher Kuh.

  2. Guter Wein alleine scheint nicht mehr zu genügen. Um aufzufallen, lassen sich Weingüter von Werbeprofis eine „neue Identität” verpassen. Manchmal ist das erfolgreich, korrespondiert aber nicht immer mit der Stimmung vor Ort.

  3. Klappern gehört zum Handwerk. Aber nicht jeder, der gut klappert, ist ein guter Handwerker. Man hüte sich davor, von aufwendigen Prospekten oder edlen Flaschen auf Inhalte zu schließen.

Bei Uli Metzger können wir ganz beruhigt sein. Er übernahm im Weinbaubetrieb der Familie vor einem Jahr die Verantwortung und setzt nicht nur Äußerlichkeiten konsequent um. Sein Filet-Riesling hat alles, was ein gutes Filet auszeichnen sollte: Zartheit, Reife, Schmelz und intensiven Geschmack mit sehr gutem Nachhall. Aroma: Aprikose, gelber Pfirsich, etwas Kräuter.

Weil die Umstellung auf Rindfleisch erst 2011 erfolgte, steht auf der Flasche des 2009ers schrecklich altmodisch „Spätlese trocken”. Wir konservativen Weintrinker, die auf dem Etikett völlig Abwegiges wie Information erwarten, sind erleichtert: die gesetzliche Bezeichnung sagt, dass es sich um sehr gut ausgereifte Trauben mit hohem Fruchtzuckergehalt handelte. „Aufwind” oder „Natursprung” sagen uns? Genau: nichts. KuhbA fänden wir dagegen wieder witzig.

Mit freundlicher Genehmingung von:
DIE RHEINPFALZ AM SONNTAG, 26. Juni 2011